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Über das Nicht-Wissen

Nebel, Zwischenräume und das stille Werden

Es gibt Zeiten, in denen alles unklar ist. Keine Richtung, kein Ziel, kein klares ‚Ja‘ und auch kein klares ‚Nein‘. Nur das Gefühl, als würdest du im dichten Nebel stehen und nicht wissen, ob du dich bewegen oder einfach bleiben sollst. Du bist nicht mehr da, wo du warst. Aber auch noch nicht dort angekommen, wo du hinwillst.

Das ist manchmal genau der Momente, in dem das Leben möchte, dass du innehältst.

Wir haben gelernt, dass Klarheit bedeutet sicher zu sein. Dass wir verstehen müssen, um ‚richtig‘ zu handeln. Und dass schnelle Entscheidungen zu treffen, zeigt wie stark und zielstrebig man ist. Wir wollen, erkennen, gestalten, planen und Lösungen finden.

Aber der Nebel sagt: Bleib. Manchmal ist etwas einfach nur kurz verwirrend, aber der Nebel kommt auch, um dich zu schützen. Er macht dich langsamer, es wird stiller und er nimmt den Blick auf das Ferne weg. Du darfst spüren, was gerade genau vor dir liegt. Darfst innehalten, deinen Atem spüren und dein Sehnen, das du sonst überhörst, wieder spüren.

Das Geschenk des Nicht-Wissens

Nicht zu wissen, ist nicht das Gegenteil von Wissen. Es ist der Raum davor. Der Zwischenzustand, in dem Neues keimen darf. So wie ein Same in der Dunkelheit liegt, ohne Plan oder Richtung und trotzdem wächst. Aus einer Form von Intelligenz heraus, die nichts mit Denken zu tun hat.

In den Veden wird dieses Prinzip Avyaktam genannt – das Unausgesprochene, das noch nicht Sichtbare. Alles, was Form annimmt, muss zuerst durch diesen Raum gehen.

Wenn es weh tut

Dieser Zustand kann schmerzhaft sein. Da ist alles gefühlt gleichzeitig in Bewegung in dir. Gedanken kreisen, manchmal ziemlich aufregende. Gefühle kommen und gehen, manchmal sehr intensiv und anstrengend. Nichts fühlt sich greifbar an und jeder Gedanke entgleitet, bevor er wirklich da ist.

Aber Schmerz und das Durcheinander-Sein sind manchmal nur ein andere Wort für Ausdehnung. Für das Öffnen in eine Richtung, die du noch nicht kanntest. Die Unruhe in dir ist nichts schlechtes, sondern ein Ruf aus der Tiefe deines Seins. Etwas, dem du endlich zuhörst.

Wir haben auch gelernt, dass es uns Sicherheit gibt, wenn wir uns entscheiden. Dass alles immer einen Sinn haben muss. Verwandlung beginnt eigentlich immer mit Unsicherheit, mit dem Gefühl zwischen etwas zu stehen, im Warten und Spüren.

Denn das, was sich wie Stillstand anfühlt, ist manchmal ein Anfang, der sich noch nicht zeigen will. In deinem inneren Raum musst du nichts festhalten, du darfst bleiben und hinein spüren, wo du noch verbunden bist in dem Durcheinander.

Bleib im Nebel

Wenn du magst, setz dich für einen Moment hin, schließe die Augen und atme.

Spüre, wo das Nicht-Wissen sitzt. Vielleicht im Bauch oder im Hals. Vielleicht in Herzen. Und statt es zu verdrängen, sag still: ‚Ich sehe dich. Du darfst hier sein. Auch ohne Antwort.‘

Erlaube, dass die Stille dich hält. 

Du bist im werden

Es ist in Ordnung, wenn die Gefühle intensiv sind und es sich unsicher anfühlt. Etwas in uns, möchte sich verändern, eine Rolle die wir lange getragen haben, ablegen. Und das, was tief in uns lebt, möchte sich endlich seinen Raum nehmen.

Da ist vielleicht Wut, wir sind traurig, haben Sehnsucht, sind unsicher, fühlen uns verletzlich und sich doch einfach nur ein wenig weicher. Alles darf da sein, es geht nicht sofort um eine Lösung. Es geht darum, etwas sein zu lassen wie es gerade ist. 

Und darum, genau das Wahrzunehmen. Du bist nicht ‚entweder-oder‘. Du musst nicht alles sofort verstehen oder entscheiden. Du bist alles dazwischen und musst dich nicht auf etwas festlegen. Es ist nicht immer alles im Gleichgewicht. Manchmal ist es ehrlicher, einfach zu bleiben – mit allem was gerade ist. 

Wenn du in diesem Zwischenraum bleibst, lange genug still wirst und weicher, dann beginnt etwas zu leuchten. Sanft, wie im Morgendunst, wenn das erste Licht der Sonne auftaucht. Und jetzt genügt es zu Atmen und zu spüren, dass du hier bist.